Jérôme Coudert, Sohn einer Gastronomenfamilie, konnte im Grunde nichts anderes lernen, als den wunderschönen Beruf des Kochs. Ob Weihnachtsfeste, Silvesterfeiern oder Geburtstage, was auch immer anstand, es wurde im Restaurant meiner Eltern in den von Beckerrath-Stuben in Krefeld gefeiert.
Selbst die Nikolausfeier meiner damaligen E-Jugend Fußballmannschaft wurde bei uns gefeiert, was mir einiges an Kredit einbrachte in dieser damals schon „harten Zeit“.

Es fing alles sehr harmlos an, in Saint-Jean de Maurienne, in den Französischen Alpen.
Meine Mutter überredete mich für einige kleine Taler in der Spüle zu helfen. Da ich früher schon ein kleiner Bankier war, ließ ich mir das natürlich nicht durch die Hände gehen. Was mich damals allerdings noch mehr interessierte, war das was sich einige Meter weiter in der Küche abspielte. Getöse, Dämpfe und nicht selten auch mal Wörter die für meine Ohren sicherlich nicht gemacht waren. Dieser große Molteni Herd, die strahlenden Kochjacken, überdimensionale Kochmützen. Von diesem Moment an war mir, wenn auch nicht bewusst klar, dass ich auch Koch werden würde.

Der erste große Schritt den ich in der Gastronomie machte, war bei Gourmet Francais in Düsseldorf. Ich gerade 15 Jahre alt, wurde zum ersten Mal bewusst auf Gäste losgelassen.
Vom Spinat Putzen übers Kartoffelschälen bis hin zum Mayonnaise aufschlagen. Alles durfte und musste ich machen. Ein Praktikum das nicht besser verlaufen hätte können.
Jetzt wo mich nichts und niemand mehr aufhalten konnte, begann ich meine Lehre. Das
Restaurant An´ne Bell war mein Lehrbetrieb.
Und es hätte nicht besser beginnen können, denn bereits in meiner ersten Lehrwoche bekamen wir einen Michelin Stern. Ob es an meiner bis dahin kurzen Anwesenheit gelegen hat, sei dahin gestellt. Aber für mich war es ein tolles Gefühl.

Nach drei sehr schönen aber auch harten Jahren, war es endlich soweit.
Ich war ein richtiger Koch; stolz und eingebildet, im Glauben alles zu können und zu Wissen.
Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war dies nicht wirklich der Fall.
Aus dem Nichts landete ich in Lyon bei Monsieur Paul Bocuse, 3 Michelin Sterne.
Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich in den folgenden zwei Jahren noch sehr viel lernen würde.

Es war wohl die schönste Zeit die ich in meiner 13 jährigen Kochkarriere durchgemacht habe.
Eine verdammt harte Schule, mehr als einmal wollte ich die Brocken schmeißen. Aber diese Chance musste ich nutzen, denn beim Papst der Köche konnte man nicht einfach aufgeben.
Und siehe da, es wurde von Tag zu Tag besser. Um den Druck der dort herrschte abzubauen, wurde nach Feierabend oft und lange gefeiert. Wenn ich an manche Abende denke frage ich mich, wie wir alle am nächsten Morgen auf so hohem Niveau kochen konnten. Eine verdammt schöne Zeit.

Nach der Rückkehr aus Frankreich verschlug es mich ins Hummerstübchen. Ein schönes Restaurant mit 2 Michelin Sternen und einem nicht ganz einfachen Küchenchef. Dies veranlasste mich nach kurzer Zeit zurück zu meiner Ausbildungsstätte zu gehen.
Nach dem Umzug in den Düsseldorfer Hafen hießen wir nicht mehr An´Ne Bell, sondern Berens am Kai.
Von dort aus ging es für mich in den benachbarten Düsseldorfer Landtag. Das Kochen für Politiker war zwar sehr kreativ und auch finanziell konnte man aus den vollen Schöpfen, doch irgendwie fehlte die Hektik, die mir so bekannt war.

Daraufhin ging ich einen ganz neuen Weg in die System Gastronomie.
Die Skepsis war groß doch mein jetziger Arbeitgeber „Bistro EssART“ unterstützte und förderte mich so, dass ich mittlerweile Küchenchef und Betriebsleiter bin. Frische ist unsere Stärke. Es macht sehr viel Spaß für bis zu 600 Gäste zu kochen. Und immer wieder aufs neue frische Produkte in großen Mengen zu verarbeiten. Aber auch dort gibt es Vorstände die gerne gut Essen und Gastronomie auf hohem Niveau bevorzugen. Insofern habe ich eine Herausforderung gefunden, die alles unter einem Hut vereint.
Ich denke die wichtigsten Dinge, die ein guter Koch oder auch Hobbykoch braucht, sind Leidenschaft, die Liebe zu frischen Produkten und auch ein kleines Bisschen Verrücktheit.
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